German English

Gedruckt am 17.09.2019 um 01:01 Uhr
Link zu dieser Seite: http://juden-in-ellingen.de/index.php?pageID=99
_DRUCKEN

Das "Scharfe Mandat" des Deutschen Ordens 1540  Davsternm.jpg

Walter von Cronberg war der erste "Administrator des Hochmeisterthums in Preussen". Der letzte Hochmeister des Deutschen Ordens, Albrecht von Brandenburg hatte sich 1525 das gesamte ostpreußische Territorium des Deutschen Ordens privat unter den Nagel gerissen und damit den Aufstieg seines Hauses zum König von Preußen und zum Deutschen Kaiser begonnen.
Er wurde dazu in Abstimmung mit Martin Luther evangelisch, unterwarf sich dem polnischen König, heiratete dessen Tochter und bekam danach Ostpreußen wieder als polnischen Tronlehen zurück. Der Titel eines "Hochmeisters" sollte im Orden erst dann wieder angenommen werden, wenn der Ordensstaat zurückgeholt war (was dem Orden 1588 fast gelungen wäre). Der Deutschmeister Walter von Cronberg übernahm die Ordensleitung und residierte in einem Territorium, das ihm die von Ellingen aus geführte Ballei Franken aus ihren Commendenbestand zur Verfügung stellte und führte jetzt den Titel eines "Administrators des Hochmeisterthums in Preussen und Meister Deutschen Ordensin deutschen und welschen Landen".

Er erlies - in den Details den Takkanot von 1530 folgend-, am 20. Oktober 1540 die nachfolgende "Urbott", das "Scharfe Mandat" , das er auch drucken lies. "Scharfes" Mandat hies eine Anordnung, die Strafandrohungen und zivilrechtliche Folgen androhte. Es mußte dazu kein konkreter Anlass vorliegen. Walter von Cronberg bezog sich auch ausdrücklich auf die Beschlüsse der Reichstage in Augsburg und Regensburg und setzte damit Recht der kaiserlichen Kammergebiete auf im gesamten Gebiet des Deutschen Ordens um. Dass im Ordensgebiet Juden lebten, zeigen die erhaltenen Instruktionen des Administrators von 1535 an seinen Verhandlungsführer, wie er sich wegen der Ausrottung der Juden vergleichen solle (das bedeutet in diesem Fall eine Absprache mit den Nachbarn, zu treffen, gemeinsam alle Juden aus ihrem Gebiet zu vertreiben).

Persönlich warWalter von Cronberg den Juden gegenüber sehr feindlich eingestellt, was seine umfangreichen Aktionen, jüdisches Geschäftleben miglichst zu unterbinden, zeigen (Staatsarchiv Ludwigsburg, B 287, z.B. Bü 3 und Bü4) Darin ist auch ein Befehl an den Comtur von Horneck vom
27. Februar 1542 enthalten, die mitgesandten Exemplare des gedruckten Mandates zu veröffentlichen. Der Befehl dürfte unmittelbar nach Fertigstellung der Drucke erteilt worden zu sein, da das Abarbeiten eines solchen Auftrages damals sicherlich mehrere Monate in Anspruch nahm. Jedenfalls scheint Bedarf an einer hohen Auflage bestanden zu haben, da man sonst manuell Abschriften gefertigt hätte.

Nachdem die Ellinger Chronisten des 19. Jahrhunderts dasselbe Datum 1542 für einen Nachweis jüdischen Lebens in Ellingen ansetzen, scheint ein parallel lautender Befehl auch an den Comtur in Ellingen gegangen zu sein, der hier aber nicht mehr gefunden werden konnte. Das kann daran liegen, dass dem Stadtschreiber und Chronisten Josef Wehn noch Akten zugänglich waren, die heute im privaten Archiv des Fürsten von Wrede unzugänglich sind oder dass sie durch die Bomben vom 23. Februar 1945 vernichtet worden sind.

 Amandat1540.jpg      

Wir Walther von Cronberg Administrator des Hochmeysterthumbs in Preußen / und Meyster Deutschs Ordens inn Deutschen und Welschen landen / Embieten allen und yeden unsern und unsers ordens underthonen angehörigen und verwandten / unser Gonst Zuvor / liebe getreiwe. Nach dem in Göttlichen unnd auch geystlichen und weltlichen schrifften unnd rechten der lesterlich wucher uund betrüglich gewerb und handelung / bey hohen und schweren penen verbotten / die Römisch Kayserlich Maiestat allergnädigster Herr auch mit verwilligung / Churfürsten / Fürsten und gemeyner stende des heylichen Römischen Reichs / hievor und besonder auff dem jüngst gehalten reichs tag zu Augspurg gesatzt / geordnet / gebotten / sich vereinigt und verabschiedet / Das die Juden so wuchern / von niemandts im heyligen Reich gehauset / gehalten / noch  gehandthabt / befridet oder vergleydt / und inen in keynen gerichten umb wucherliche schulden / Mit was schein / solcher Wucher bedeckt / geholffen werden soll / Welchs volgendts auff dem Reichstage zu Regenspurg / durch hochbenante Kayserliche Maiestat / und gemeyne stende widerumb von newem geordent und bestetigt worden ist / So hetten wir uns versehen die gemelten Juden sollten angeregten / götlichen und menschlichen satzungen und Reichsabschiden unwidersetzlich nach khomen sein / und sich der verbotten wucherlichen Contracten / gewerben un handlungen / enthalten /  Und mit zimlicher / und in recht zugelassener handthirung und handtarbeyt zuernehren understanden / Ir auch sament und sonderlich / solliche loblich und Christliche Ordnung / und ewer selbs wolfart / betrachtet / und von bemelten Juden / eynich wucherlich anlehen gewerb noch handlung (inn bedencken das euch ewern weibern und kindern / die in viel hoch schedlich / an ewern hab und gütern verderblich  und von heußlichen ehren / bringlich sein mögen) uerrer nit gesucht / angenomen / noch gepflegen haben / So werden wir doch glaublich bericht / das die nagenden Juden vil under euch / darmit nichts desterweniger noch mergklich beschweren / Und das ir des alles unbehertzigt / euch mit inen in allerley wucherliche Contract einlassent / darauß dann hernach /rechtvertigungen zu Rottveil und anderßwo / anleyt / Acht und ander unleidlich geverde / nit allein euch den thettern / und ewern weibern und kindern / sonder auch den andern geschwigen unser und unsers ordens Amptleut mühe arbeyt und unkoste ervolge / Deßhalb von uns bewägen / Wo das durch uns nit fürderlich stattlich fürkhomen / das es euch allen zu weitterm großen schaden reychen möcht / Dieweil uns nun berürten götlichen und Kaiserlichgen ordnungen / und abschieden nach / Und auch das sich ewer jeder des sein nit mißbrauch / fürsehung zuthun / und ewern nutz und fromen müglich zu betrachten / und anzustifften / unserer tragenden obrikeyt halben gezimt / und für uns selbs / gnediglich geneigt sein / So befelhen und gebieten euch gemeinglich und sonderlich / mit sonderm Ernst in crafft diß briffs / das ir weder heymlich noch offentlich / durch euch selbs oder andere / In gar keyn weise noch wege / hinfüro von Juden / nichts entlehendt / Mit inen handtierendt / noch sonst in eynigen wucherlichen handel einlassent / Ewer hab und gütter beweglich und unbeweglich / oder sich selbst bewegendt recht oder gerechtikeyten / gegen inen versetzendt / verpfendendt / verbindendt / noch schulden verbürget / oder einige verschreibung darumb aufrichtendt oder gebent / Gerichts zwang in andere richter erstreckent / oder einiger freyheit verzeihet / Sonder des und sonst alles anders / wucherlichs geverlichs und arglistigs / wie das namen haben und erdacht werden mage / nichts außgenomen / gentzlich müssig steendt und enthaltent / Als lieb ewer idem sey unser ungenad und straff (Sovil uns ydes Endts / gegen den obertrettern vermöge unser habenden obrigkeit und gerichtszwangks von rechts und gewonheyt wegen gebürt) nach gestalt und gelegenheyt ewer ydes uberfahrung an leib und gut / auch abbietung und verweisung von und aus unsers ordens gütern oder gerichts zwangk Zuvermoegen/ Und zu dem so gebieten wir euch auch gemeinlich und sonderlich bey den pflichten un eyden / damit ir uns und unserm orden verstrickt seyent / ob ewer einer oder mehr künfftigklich in erfahrung kheme / das unbedacht diß unsers nutzbarlichen gebotts / ymants aus euch bey Juden gelt auffgenomen / entlehendt / oder sich in ander wücherlich Contract und handlungen eingelassen hette / das in monats frist darnach / one außrede / an unsers ordens Rueg gerichten / zu rügen / Wo aber die nit vorhanden oder in sollcher zeit nit rueg gericht würde / Es unsers ordens Amptleuten / so die uberfarer underworffen ydesmals anzubringen / Demnach so ersuchen wir hiemit alle und yede / und sonderlich die Juden / sich wucherlichs anlehens und hantierung / mit bemelten unsern underthonen / angehörigen und verwnthen fürohin zuenthalten / Ire bürgen / oder selbst schuldner / derohalben nit zuwerden / noch für sie zuverpflichten / Inen brieff oder Instrumenta darüber zu machen noch zuversigeln / die peen rechtens dardurch zuverfliehen. Ob aber ewer einicher oder mehr Christ oder Jude / uber diß unser gnedig ersuchen also vermessen sein / und sich mit einem oder mehr der unsern / n wucherlich Contract Bürg oder selbsschuldnerschafft / darüber einlassen / Oder etwas für sie verpfenden / oder sich verpflichten würde / Dem oder den soll inhalt bemelter Reichs abschied / gerürter Contract / schulden / fürstandts oder verpfandung halben / mit was schein solchs bedeckt wäre / gar kein gericht Recht noch bezalung / von uns und unsern Amptleuten gestatt noch verholfen werden / Aller un yder und fürnemlich der Judenschaft vermeinter Freiheitten (welche die Kaiserlich maiestät auffgehaben und vernicht hat) hiewider unangesehen / Ob auch demnach / ewer / unser underthonen angehörigen und verwanten / einer oder mehr / mitt auslendischen gerichten zu Rotweil oder anderßwo / würde vorgenomen / das wollent an uns oder unser amptleut langen lassen / die gebüre entgegen haben / zubetrachten / fürzunemen und zu handeln. Und ist hierauff an euch / unser und unser ordens / Land Comenthur / Statthalter / Hauß Comenthur / Amptleut / Vogt / Schultheissen / Burgermeyster und Richter / unser ernstlich beger / diß unser gebot / in ewern bevolhen LandtComenthureyen / Comthureyen / Ampten / gerichten / unnd wo es sonst von nöten ist / gedachten unsern unnd unsers ordens underthanen angehörigen und verwandten ! fürderlich zuuerkhunden und auffzuschlagen / und mit allem ernst und vleiß daran zusein / das im in allen puncten / gehorsam und nachkhomen / Und dem weder inner noch ausser halb rechtens / entgegen / gehandelt werde / Und die ubertretter / nach gestalt der uberfarung ydeßmals unnachleßlich zustraffen / Deß verlassen wir uns gentzlich / es geschicht auch daran unser ernstliche mainung.

Geben under unserm für getruckten Secret insigel zu Mergetheim. Am zweintzigisten tag des Herbstmonats / Als man zalt nach Christi unsers lieben herrn geburt / Fünffzehen hundert und viertzig iare.

 

Siegel