German English

Gedruckt am 12.11.2019 um 19:34 Uhr
Link zu dieser Seite: http://juden-in-ellingen.de/index.php?pageID=98
_DRUCKEN

Schutz- oder Freiheitsbrief Kaiser Karl V. 1530  Davsternm.jpg

Entnommen und die Erläuterung etwas gekürzt von Hermann Seis aus Markus Lehmann, Rabbi Joselmann von Rosheim, Reprint Zürich 1988, S. 118 ff.
Dieser Schutzbrief, der die Juden ausdrücklich als Eigentum der Reichskammer bezeichnet, überträgt die Rechte eines alten Schutzbriefes für das Elsass des Kaisers Sigismund aus dem 14. Jahrhundert, der in seiner Not gegen Geld fast alles versprach und sich faktisch sogar gegen Geld als Söldnerführer für Mailand verdingte, weil er Geld für seinen Romzug zur Kaiserkrönung brauchte, auf das ganze Reich. Hatte Sigismund z.B. im Jahr 1378 am einen Tag gegen Geld dem Deutschen Orden noch die Stadtrechte für Ellingen gewährt, wiederrief er diese Rechte ein paar Tage später wieder gegen lausige 100 fl., die die Reichsstadt Weißenburg ihm dafür zahlte. Es spricht für das außerordentliche Wohlwollen, das Rabbi Joselmann von Rosheim beim Kaiser genoss, dass er diesen sehr weitreichen Schutz nicht nur wiederholte, sondern auf alle Juden des Reiches erweiterte. Mit der zunehmenden Übertragung des Judenschutzes auf Reichsfürsten wurde dieser Judenschutz, der nach seinem Wortlaut auch die nachfolgenden Kaiser band, allerdings wieder entwertet.

Die hier zitierte beglaubigte Abschrift dieses Freiheitsbriefes ist aus dem Großherzoglich Badischen General-Landes-Archiv zu Karlsruhe kopiert und befand sich damals (Datum Erstauflage) in einem Kodex, betitelt: „Pfälzisches Urkundenbuch" (Nr. 99, S. 150—152), heute Landesarchiv Ludwigsburg, das im Online-Findbuch auf die folgende korrekte Übertragung im Buch verweist:

Wir Karl der Fünfft von Gottes gnaden Romischer Kayser usw. Bekennen für vnz vnd vnser Nachkom­men Am Reich öffentlich mit Diesem brieff vnd thun khundt allermenniglich, Dasz vnz die gemain vnser Judisheit Allenthalben Jm hailigen Reiche gesessen, Dise hernach geschriben Artikel, Damit die Juden vnd Judin, In vnsern vnd des Reichs Steten Im Elsas gelegen, In vnser und des Reichs Cammer gehören vnd vns vnd dem Reiche zu Dienst sitzen, von weileundt vnserm vorfaren Am Reiche, Konig Sigmunden Loblichen gedechtnus vnder anderm guediglichen gefreit begabt vnd furseben sein vnd von wort zu wort also lauten:

Wo man in (ihnen) schuldig ist oder fürbas schuldig wurdt, Das mans Inen bas nach Laut Ihrer brieffe burgen oder mundtlich Versprechnus Richten vnd bezalen solle alz dann das nach gutten gewonhait her­kommen vnd gehalten ist vnd welcher Jude ein Pfandt Haltet uber ein Jar vnd damit thut alsz Recht ist, dasz er dann Dasselbig Pfandt, verkauffen, versetzen, vnd verkummern möge, alsz ander sein aigen gut, on alle Ansprach, vnd Hindernussen.
Item Das man in Leib oder gut in Stetten Derffern auff dem velde auff Straßen, auff wassern, beschirmen solle vnd dasz Inen alle straßen offen sein sollen, vnd dasz sie auch darauff aller freyhait, Schirmes Fridens vnd gnaden, es sey fridt oder Kriegk, genießen vnd thailhaiftig sein sollen vnd mugen, Der Cristen Edel vnd unedell genießen vnd thailhafftig sein vnd ge­nießen.
Item Dasz man auch die vorgenannten Juden vnd Judin, mit keinerley Zollen oder sachen auff wasser vnd auff Lande, beschweren solle, Auszgenommen Der zolle die vnser vorfaren Romische Kayser vnd König auffgesetzt haben vnd was Daran von allter herr gewonheit ist, Das man das von Inen nemen solle vnd nicht mehr in kein weisz.
Item Das mann auch keinen der vorgenannten Juden Ir weiber oder Kinder zu der Dauff tringen soll.
Item Das sie an vnser vnd des Reichs Cammer gehören, Darumb ist vnser sonderlich mainung vnd wollen, Dasz man sie noch Ir keinen fürbas mehr vertheilen oder aigen solle wider diese vnser gnad vnd Freiheiten, Sonder das man sie ausz siner statt In die andern allentzeiten vahren vnd ziehen Lassen solle on alle Hindernusz vnd Irrung.
Item Das man auch die vorgedachten Juden vnd Judin weder für Landgericht, oder auch für Landfride, ob die weren, oder Landtage haischen oder laden solle oder möge sonder wer zu Inen samentlich oder sonder­lich zusprechen hat, daz der Recht nehmen vnd geben solle, von dem weltlichen gericht der stetten, Dar Im sie gesessen sein.
Item vnd wer es sache, daz sie darüher beschwert wur­den, daz der auch weder Krafft noch macht haben solle.
Item welche zeit es auch geschehene Daz ein Jude schweren solle, daz er off Moyses Buch schweren muge mit sochen worten, als Im gott Helff bey der Eee, Die gott gab uff dem berg Synay vnd nit anderst.
Item Daz man auch keinem den vorgenannten Juden oder Judin weder an Leib oder gut betzeugen möge, denn mit vnersprochen (unbescholtenen) Cristen vndt mit vnersprochen Juden, Die nicht sein offenbar, Feundt seindt.
Item Daz wir auch keinen der vorgennanten Juden oder Judin, Niemandt geben oder bescheiden, sollen noch wöllen, weder durch Dienst oder bete willen In kein weisz fürgebracht vud uns darauff demutigklichen angeruffen vnd gepetten haben, Dasz wir als Ro­mischer Kayser solche obbestimpte Artikel zu confürmiren vnd zu bestellen vnd Inen gemeiner Judisheit Im hailligen Reiche dieselben von newen (von neuem) zu geben vnd sie damit zu begaben gnediklich gerichten, Daz haben wir angesehen solch Ir Demietig Pite, auch damit sie hifüro im hailligen Reiche dester Riewiger (desto ruhiger) sitzen, wonen vnd bleiben mögen, vnd darumb mit wolbedachtem mute gutem Rath vnd rechtem wissen die abgeschrieben Artikel Ann allen Iren Innhaltungen meinungen vnd begreiffungen, confirmirt vnd bestettigt, vnd dieselben ge­meiner vnser Judisheit Im hailigen Reiche, von Newem gnedigklich gegeben haben Confürmiren bestetten vnd geben dies also von Newem, von Römischer Kayserlicher macht, vollkommenheit, wissentlich In Krafft diß brieffs, was nur daran von Püllichheit (Billigkeit) vnd Rechts wegen zu confirmiren zu besteten haben, sollen vnd mögen, Und meinen, setzen vnd wöllen, Das die obbestimpten Artikel In allen Iren Inhaltungen, Meinungen vnd begreiffungen gantz creftig vnd mechtig sein vnd die gemelt gemein Judisheit Im hailligen Reiche Nunhinfiro dieselben also haben dabei bleiben vnd sich der nach allem Irem Inhalt geruhlich gebrau­chen vnd nießen sollen vnd mögen, Inn allermaßen sich die Judisheit In Stetten im Elsaß sich dieselben biszher gepraucht vnd genossen haben, von Recht oder gewonheit von aller menigklich unverhindert, Und gepüetteu darauff allen vnd Jegklichen Churfürsten, Fürsten, gaistlichen Prelaten, Graven (Grafen), Freyen, Herren, Ritern, knechten, hauptleuten, Vitzthumhen, vogten, Pflegern, verwessern, Amptleuten, Schulthaißen, Burgenmaistern, Richtern, Rethen, Burgern vnd gemeinden vnd sonst allen andern vnser vnd des Reichs vnderthanen vnd getrewen (Getreuen) vnd sonderlich vnsern vnd des haylligen Reichs Cammer, Procurator, Fiscal, general Ernstlich vnd wollen dasz sie die gemein Judisheit, gemeiniglich oder sonderlich an den ob geschriben Articul dieser vnser Confirmation gnaden vnd gab nicht hindern oder Irren, sonder sie dabei bleiben, dieselben geruhiglich gebrauchen genie­ßen lassen Handthaben Schützen vnd schirmen vnd dawider nicht handeln fürnemen oder thun noch des Jemandts andern zethun gestatten In kein weise Als Lieb einem Jegklichen sey, vnser vnd des Reichs schwere ungnad vnd straff vnd den Penens (Straf­gelder) In ogemeltz Konig Siegemundts Freyhait brieff begriffen vnd darzu einer sondern Peens Nemblichen zweintzig Markh Lottigs goldh zuvermeiden, Die ein Jeder so oft er frewentlich hierwider thete, vns Zu vnser vnd des Reichs Cammer unabläßlich Zubezalen verfalen sein soll, Ongenade. Mit Urkundt disz brieffs besigelt mit vnserm kayserlichen angeborn (angehängten) Insigel, Geben Zu vnser vnd des haylligen Reichs Statt Augspurg am zwelfften tag des monats Augusti, Nach Chr. u. l. H. gepurt Im FünfTtzehen hundert vnd Im dreißigsten, vnsers Kayserthumbs Im zehenden vnd vnsrer Reich Im fünfftzehenden Jare (1530)

Carolj.

Alex Schweis.