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Ein Ellinger Schutzbrief aus dem Jahr 1783  Davsternm.jpg

Ein eigener Schutzbrief eine Landkomturs der Ballei Franken hat sich im Staatsarchiv Nürnberg erhalten. Der sehr begüterte Elias Landauer, Eigentümer des Prachtbaues "Römischer Kaiser" mit prachtvoller, barocker Privatsynagoge hatte alle sechs Jahre einen Vermögensnachweis zu führen. Anschließend wurde sein Schutzbrief wieder verlängert bzw. neu erteilt. Elias Landauer verkaufte kurz darauf sein HAus an den christlichen Gastronom Kugler, der darin dann eine Billard-Wirtschaft betrieb und dem Haus seinen heutigen Namen gab.
Am 25. Oktober 1787 verstarb der Landkomtur von Lehrbach in München. Nach seinem Tod setzte der Hochmeister Erherzog Maximilian Franz zehntausende von Gulden an Handsalben (finanziert durch den Hoffaktor Baruch von Bonn) gegenüber des Rittern der Ballei ein, um diese zu einer politischen und wirtschaftlichen Integration der Ballei in den Staat des Deutschmeisters willfährig zu machen. Die Ballei Franken hatte sich selbst aufgegeben. Für die Juden in Ellingen hatte dies zur Folge, dass sie nunmehr wieder Schutzjuden des Hochmeisters in Mergentheim wurden und mit dieser zu einer Art "Land-Judenschaft" zusammengefasst worden sind. Aus Ellingen wurde ein Ordens-"Oberamt". Die Wirtschaftskraft einer Residenz mit ihrer begüterten Beamtenschaft wurde abgezogen und Ellingen und seine Juden verarmten. Das Schloss wurde allerdings zu früh ausgeräumt, denn in den anstehenden Kriegen gegen das revolutionäre Frankreich zogen die deutschen Fürsten oft genug den Kürzeren und Ellingen bot so manchem Herren in dieser Zeit Asyl.

Innerhalb der neuen Verwaltungsgrenzen gab es im Oberamt auch ein deckungsgleiches Oberrabbinat, weshalb die schwäbische jüdische Gemeinde Laupheim auf einmal dem Oberrabbinat Ellingen zugehörte, obwohl Ellingen nie einen eigenen Rabbiner hatte.

Der flehentlich bittende Jud Elias Landauer ist wie folgt in Schutz zu nehmen:

1. Er soll geloben und beschwören, solange er unter meinem Ordensschutz und Schirm sein wird, soll er untertänigst getreu Gebot und Verbot gehorsam sein, Schaden zuvorkommen und Nutz und Frommen fördern.
2. Er soll über den Christ-Katholischen Glauben nicht reden, während der Gottesdienste in Stadt und Dörfern, insbesondere auch in der Hl. Karwoche keine Geschäfte machen.

3. Er soll mit meinen Ordensuntertanen keine wucherlichen Geschäfte im Leihen, Kaufen und Verkaufen vornehmen und nicht mehr als 5 % Zins annehmen.

4. Er soll keine Geschäfte mit fremden Juden machen, einen dem Orden gefälligen Rabbiner erwählen und seine Zeremonien befolgen.

5. Er soll außer den notwendigen Ehehalten, keine fremden Juden ins Haus aufnehmen und keinen Glaubensgenossen über 8 Tage beherbergen.

6. Er soll keine verdächtigen, evtl. gestohlenen Sachen annehmen oder eintauschen.

7. Er soll auf Jahr- und Wochenmärkten bei Kauf von Speis und Trank Bescheidenheit üben und den Christen den Vorkauf überlassen.

8. Er soll alle Fron, Steuer und Abgaben so gewissenhaft leisten, wie dies auch bei den Christen üblich ist.

9. Elias Landauer Jud, soll Schutz und Schirm für mein Ordensgebiet erhalten, alljährlich zu Walburgi (1. Mai) für sich 15 fl Schutzgeld bei der Trisoley hinterlegen, und solches selbstschuldnerisch auch für seine Schutzverwandten zahlen.

Dieser Schutzbrief kostet 2 1/2 Reichstaler, gilt nur für 6 Jahre und ist dann ge: Rückgabe des alten neu zu beantragen.

Item sind zum Unterhalt von des Gerichtsverwalters Pferd jährlich 15 fl zu zahlen. Letztlich solle ihm zu seines Hauses Versorgung Viehschächten vergönnt sein, was er davon nicht selbst verbrauchen kann, darf er ohne Beeinträchtigung der Metzger verkaufen.

Da nun Elias Landauer allen Gesetzen nachkommt, soll er mit Schutz nicht vernachlässig werden.

Gegeben zu Ellingen, 28. Juni 1783
Freyherr Franz Sigmund von und zu Lehrbach TOR und Landkomthur
Siegel