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Die Ellinger Policey-Ordnung 1685  Davsternm.jpg

Eine Polizei - Ordnung des 17. Jahrhunderts hat wenig mit dem heutigen Begriff zu tun "Polizei" ist ganz allgemein die öffentliche Ordnung. Die Trennung von Verwaltung und Justiz war noch nicht ausgebildet.

Die "Pollicey-Ordnung" des  Landkomturs der Ballei Franken des Deutschen Ordens, Johann Wilhelm von Zochas vom 18. März 1685 regelt von der Besetzung der Gericht über den Hebammeneid bis hin zu Zunft- und Feuerordnungen weite Bereiche des öffentlichen Lebens. Sie umfasst rund 10 normal gedruckte Buchseiten - ist also recht umfangreich. Die Bürgerrechte- auch die der Juden regelt der folgende Abschnitt.

In dieser Polizei-Ordnung für Ellingen werden neben den Verhältnissen aller Bewohner die der Juden mit recht wenigen Sonderregeln geordnet. Es wird bestimmt, dass die ansässigen Juden statt aller persönlichen Leistungen, als Treiben bei Jagd, Hilfe bei Heu- und Grummetmachen, jährlich 6 fl., die Beisitzer dagegen die Hälfte zahlen sollten, im übrigen sollten sie jedoch  mit den Christen die gleichen gemeinschaftlichen Lasten ohne Ausnahme tragen. Es wurde ihnen wie schon immer dazu zur Pflicht gemacht, von den Ordens-Unterthanen und der Bürgerschaft nie mehr als 5 Prozent zu nehmen und dieselben im Handel und Wandel nicht zu betrügen; kam es dennoch vor, so stand dem Übervorteilten die Beschwerde bei der Herrschaft zu, von welcher dann der betrügerische Handel augehoben und der betreffende Jude nebst einer besonderen Strafe zum Schadensersatz verurteilt wurde. Mit fremden Untertanen war ihr Handel und Wandel uneingeschränkt und ihrer eigenen Verantwortung anheimgestellt. Deren Schutz hatte deren Landesherr zu regeln.

Prozessunterlagen, nach denen es tatsächlich zu einem Verfahren wegen Wuchers gekommen wäre, liegen bei uns nicht vor.

V o n   B u r g e r n  u n d  B e y s i t z e r n ,  a u c h  J u d e n.

  Es soll keiner zum Burgerrecht gelassen, oder auf- und angenomben werden, Er seye dann von ehrlicher Geburth vnndt Eltern Herkhommen, vnndt solches aintweders bekhannt, oder mit brieflichen Uhrkhunden bewiesen. Derienige so Künfftig alhier Burger Recht haben will, soll schuldig sein, neben Beyschaffung eines Feyer-Eimers 3 fl. Reinisch, so es ein Burgers Kindt, oder ein Teutschherrl. Vnnderthan ist, da es aber ein frembder ist, doppelt soviel Benantlichen 6 fl. Zum Bürgermaister Ambt erlegen, kein Hauptsäßiger aber alhier gedult werden, Er seyn dan Burger, vnndt trage mit die gemeine burgerliche anera: dahero kein Herrschaftlicher Schloß Bedienter, wer der auch sein mag, da er ein aigenes Haus hat, er besize es gleich selbst, oder durch Bstandt Leuth, dannon sich befreut vnndt exempt machen kann, weniger auch die Juden so zu Ellingen iezt vnndt ins Künfftig wohnen möchten doch genediger Herrschaft die anderwertige Verordnung da die Zeit vnndt Umbstende ein annders erfordern solten, alzeit vorbehaltlich;  -- Es gezimbt sich auch, vnndt werden die Burgers grosse hiemit nit weniger daßen erindert, daß sie unnder einander in gueten vernemben, schidt- und friedlich leben, ainer deß ann dern nuzen vnndt Wolfarth fördern, unnd vor schaden oder Gefahr warnen sollen, inmaßen ein burgerliche gemein vnndt gemeinschaftliche Beysambwohnung anderst nichts ist, dann ein sittliche freundt- vnndt Bruderschafft, da sich keiner yber den anndern aufwerffen oder sich besser gedungkhen solle, als sein Nachbar vnndt Mitburger ist, ob er auch schon im Vermögen weit geringer oder armb sein sollte. Die einnembung der Beysizern, oder Jnwohnern steht zwar bei genediger Herrschafft, man wirdt, aber mittelst dieser Ordnung Künfftighin dahin Bedachtsein, daß man dergleichen Leuth zu keiner ybermaß oder Beschwerrung der Burgerschafft aufnembe: So offt nun der gleichen Beysizer von neuem aufgenomben wirdt, soll er gleich zu seinen Antritt zum Burgermaister Ambt erlegen 1 fl. 30 Kr. Reinisch, unnd folglich ieder Beysitzer alle Jahr, so lang er sich alhier aufhalten tueth, 45 Kr. Dahin bezallen, bey Verlust deß Beysiz, da Er sich deßen waigern, oder yber ¼ Jahr yber den verflossenen Termin es mit der Bezahlung anstehen lassen wurde. Jm übrigen wirdt den Hauß Vättern, Bstendnern, vnndt Beysizern hiemit außtrukhlich vnndt beystraff 3 fl. Verboden, niemandt frembden ohne Vorwißen vnndt Consens der Herrschaft einzunemben, oder vfetliche täg vnndt nächt dit Herberg, vnndt Ligerstatt zu verstatten.

  Betreffent die Judenschafft hat es dabey noch ferners sein verbleiben, daß nemblich ieder Haußsäßiger Jud statt deß Dienst in natura, alß da ist, daß Jagen, Jtem uf den Pruell Hey vnndt Grommet machen, vnndt waß dahin weiters gezogen werden mag iährlichen vnndt iedes Jahr 6 fl. Reinisch vnndt ein Beyfizerter Jud die Helfte deßen zum Burgermaister Ambt erlege: im ybrigen aber mit vnndt neben dem Christen die gleiche gemeinschafftliche onera ohne ausnamb tragen, auch in sauberhaltung der Gaaßen, Hofrait vnndt Heuser sich ohne Beschwerung halten. Es wirdt auch hiemit keinen Juden zugelassen, von des Ordens Vnnderthannen, vnndt Burgerschafft ein mehreres dan 5 pro Cento fürshin zu nemben, oder zu bedingen beystraff. Jngleichen da sich ein Vnnderthan im Handl vnndt Wandl vom Juden yberfordelt, vnndt beschediget finden, vnndt es gebürrenter Zeit zur Herrschaft anzaigen wurde, soll Er schadloß gehalten vnndt selbe Handlung cahsirt werden, mit vorbehaltener straff, da sich ein beflißener Betrug dabey Herfür geben sollte. Sonnils aber außwertige Vnnderthannen angehet, bleibt ihnen ihr Handl vnndt Wandl uneingeschrenkht vnndt auf ihrer selbstaigner Verantworttung aufgestelt. 

Betreffent die Judenschafft hat es dabey noch ferners sein verbleiben, daß nemblich ieder Haußsäßiger Jud statt deß Dienst in natura, alß da ist, daß Jagen, Jtem uf den Pruell Hey vnndt Grommet machen, vnndt waß dahin weiters gezogen werden mag iährlichen vnndt iedes Jahr 6 fl. Reinisch vnndt ein Beysizerter Jud die Helfte deßen zum Burgermaister Ambt erlege: im ybrigen aber mit vnndt neben dem Christen die gleiche gemeinschafftliche onera ohne ausnamb tragen, auch in sauberhaltung der Gaaßen, Hofrait vnndt Heuser sich ohne Beschwerung halten. Es wirdt auch hiemit keinen Juden zugelassen, von des Ordens Vnnderthannen, vnndt Burgerschafft ein mehreres dan 5 pro Cento fürshin zu nemben, oder zu bedingen beystraff. Jngleichen da sich ein Vnnderthan im Handl vnndt Wandl vom Juden yberfordelt, vnndt beschediget finden, vnndt es gebürrenter Zeit zur Herrschaft anzaigen wurde, soll Er schadloß gehalten vnndt selbe Handlung cahsirt werden, mit vorbehaltener straff, da sich ein beflißener Betrug dabey Herfür geben sollte. Sonnils aber außwertige Vnnderthannen angehet, bleibt ihnen ihr Handl vnndt Wandl uneingeschrenkht vnndt auf ihrer selbstaigner Verantworttung aufgestelt.