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Ein Brief des Ortsgruppenleiters der NSDAP Ellingen  Davsternm.jpg

Der politische Druck der NSDAP nach der Machtübernahme 1933 stieg schnell. Die Parteifunktionäre nützten kleinste Anlässe um zu verunsichern und zu drohen. Ab Februar 1933 sind Schmähartikel über die Ellinger Juden in dem Nazi-Hetzblatt "Der Stürmer" erhalten, die bereits damals so weit gehen, dass man sich brüstete, namentlich benannte Juden halb tot geschlagen zu haben. Die Frage nach dem Verhalten gegenüber Juden ist damals bereits auch ein Baustein in der Drohkulisse gegenüber Mandatsträgern.


NSDAP. Ortsgruppe Ellingen i./B.                                          Ellingen, den 17. Juni 1934.
                   Herrn
1. Bürgermeister Fran G r ü l l ,
                   h i e r .
Jch ersuche Sie hiermit zu nachstehenden Fragen schriftlich und ausführlich mit eidesstattlicher Erklärung zu äußern.
         Heil Hitler!
Parteisiegel
        gez. Engelhardt
          Ortsgruppenleiter.

1. Haben sie vor der Wahl im März 1933 gelegentlich einer Viehzählung in Walkershof den Landwirt Johann Neuner gefragt, „was er wähle?“ Worauf dieser geantwortet haben soll: „Selbstverständlich nur Hitler.“ Worauf Sie erwidert haben sollen: „Was willst du denn mit Hitler, den können wir doch nicht brauchen. Für uns ist blos die Bayerische Volkspartei maßgeben.“
2. Haben Sie nach dem Ableben Jhrer Tante aus deren Nachlaß an die Jüdin Löwenstein Blumenstöcke verschenken lassen, d. h. geschah die Beschenkung mit Ihrem Wissen und Willen?
3. Haben Sie mit Bermann Viehhandelsgeschäfte getätigt, insbesondere, haben Sie dem Landwirt Schmidtlein in Ellingen ein Stück Vieh nicht verkauft, weil der Jude Bermann 10.-RM. mehr geboten hat.
4. Haben Sie beabsichtigt, den Landwirt und Kohlenhändler Weigl für ständig mit dem Posten des Wasserwarts zu betrauen, weil er Jhr Schwager und gut befreundet mit Stadtrat Westinger ist.
5. Haben Sie sich in der angeblichen „Volksparteiwirtschaft“ Gasthaus zur Sonne über das Vebot der Fronleichnamsprozession in Eichstätt unterhalten und dabei folgende Redewendung gebraucht: „Das dritte Reich besteht aus zwei Gruppen und zwar aus der konfessionellen und der Hitlerpartei und solange diese Gliederung bestehe, werde Deutschland niemals einig werden.“
6. Haben Sie irgendwie kein Jnteresse an dem Bestehen des dritten Reiches.
7. Warum haben Sie sich noch keine Hakenkreuzflagge angeschafft?
8. Jst Jhnen als Vorsitzender der Städtischen Sparkasse bekannt, dass der neuernannte Sparkassenverwalter  S e i s  von seiner früheren Stelle wegen seinen festen Haltens zu B. V. entlassen worden ist?
9. Jst Jhnen bekannt, daß in der hiesigen SA. genügend vorgebildete und ausgebildete Leute vorhanden sind?
10. Beabsichtigen Sie als Bürgermeister im Einvernehmen mit Stadtrat Westinger, die Stadtverwaltung so zu leiten, daß der bisherige Zustand in Ellingen, also die Stadt nach volksparteilichen Grundsätzen zu regieren, aufrecht erhalten wird?
11. Beraten Sie vorher immer alle städtischen Angelegenheiten mit Westinger?
12. Warum haben Sie den Antrag der SA. auf der Sportwiese, eine elektische Lampe anbringen zu lassen, abgelehnt?
13. Werden für die städtische Bullenhaltung viel größere Beträge glatt umsonst aufgewendet?
14. Wurde das Gesuch der SA. um Anbringung der Lampe deswegen abgelehnt, weil Sie sich darüber vorher mit Westinger geeinigt haben und wurden die anderen Stadträte darüber nicht gefragt?