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Der Heimatverzicht der Jeannette Model 1858  Davsternm.jpg
 

Der Verzicht auf eine Matrikelstelle war für die Juden der damaligen Zeit eine schwerwiegende Entscheidung, weil sie unwiederbringlich den Verlust eines Aufenthaltsrechts, eines Rechts auf Sesshaftmachung eigener Kinder oder in jüngeren Jahren den Verzicht auf Heirat oder Zulassung zu einem Gewerbe bedeutete.

 

§ 14 des 1813 erlassenen "Edikt über die Verhältnisse der jüdischen Glaubensgenossen im Königreich Bayern" legt die Anzahl der damals erfassten Juden mit Schutzbrief früherer Landesherren als Höchstzahl der aufenthaltsberechtigten Juden in den Gemeinden der neuen bayerischen Gebiete fest. Frei werdende Matrikelstellen werden nur dann wieder besetzt, wenn die Höchstzahl nicht vorher schon durch Ausnahmefälle überschritten war.

 Amatrikelaufgabe.jpg

Die jüdischen Gemeinden selbst hatten andererseits ein essentielles Interesse daran, die Matrikelstellen durch zahlungskräftige Gemeindemitglieder besetzt zu sehen, weil sonst durch die beschränkte Zahl der Mitglieder („Schutzverwandten“) die Kosten für den Betrieb der Kultusgemeinden nicht mehr aufgebracht werden hätten können. Aus diesem Grund drängten sie selbst darauf, unnötig besetzte Matrikelstellen freizubekommen.

Ein freiwilliger Verzicht auf eine Matrikelstelle war daher ein Gottesgeschenk.

Nr 5649

Vom Koeniglichen Landgerichte Ellingen

 

Dem Stadtmagistrat Ellingen wird ernachrichtet, daß die Wittwe Jeannette Model von hier, welche ihr Sohn Samuel Model zu Fürth abnaehren will, auf ihre Judenmatrikel für Ellingen N: 2239. Verzicht geleistet hat.

 

Ellingen, den 25. Mai 1858

Der koenigliche Landrichter Moedt

Reizvoll ist in der Urkunde der Begriff „abnähren“. Die Rückgabe des fast wie eine Ehrenurkunde gefassten Originals erfolgt mit dem Vermerk des Ellinger Stadtschreibers und späteren Verfassers der ältesten Chronik der Stadt Ellingen, Josef Wehn:

 

No 919

Hat zur Kentniß gedient Mai 25 1858

Wehn