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Die Ellinger Matrikelakte 1820  Davsternm.jpg
 

Das Königlich Bayerische Fürstlich v. Wredesche Herrschafts Gericht Ellingen

Aus dem Grund vorliegend höchsten Regierungs Rescriptes vom 17. Vorigen Monats, die Juden Matrikel betrefflich wird der Magistrat hierselbst zur gutachtlichenAeuserung aufgefordert, ob nicht die beschützte Zahl der Judenfamilien hier zu groß und daher bei sich ereignenden Erledigung zu vermindern sey, und bis auf welche Zahl dieses geschehen könne.Die Erledigung dieses Auftrages wird binnen 3 Tagen erwartet.

Ellingen, den 7. Mai 1820

Jede Orts-Matrikel wurde im Rezatkreis, der ungefähr dem heutigen bayerischen Regierungsbezirk Mittelfranken mit mehrfachen Gebietsveränderungen entsprach, vor Ort in einer eigenen Matrikelakte verwaltet und in einem Zentralregister geführt. Die Kreismatrikel ist vollständig veröffentlicht. Sie enthält allerdings nicht alle Informationen der örtlichen Matrikelakten.

Die Ellinger Matrikelakte hat sich als eine der wenigen samt den Beiakten erhalten und wurde erst kürzlich wieder gefunden. Das liegt darin begründet, dass die Stadt Ellingen irgendwann nach dem Revolutionsjahr 1848, als in Bayern die Herrschaftsgerichte aufgelöst wurden, auch Teile der Akten des Fürstlich von Wrede´schen Herrschaftsgerichts Ellingen völlig unsortiert übernommen hat und zum anderen darin, dass das Rathaus der Stadt Ellingen am 23. Februar 1945 einen schweren Bombenschaden erlitten hat. Die Reste der alten Akten, vielfach durch Wasserschäden beeinträchtigt, wurden regellos irgendwo im Trockenen gestapelt und werden von uns erst derzeit in Findlisten erfasst.

Darunter befindet sich die allerdingsvöllig unbeschädigte Matrikelakte. Eine eigene Beiakte registriert z. B. die “in Ellingen geborenen Judensöhne”. Die Kreismatrikel erfasst dagegen nur den Hausherren oder seiner Wittwe, die zur Matrikelinhaberin geworden war und damit vielleicht sogar die Heirat ihres Sohnes verhinderte.
Immer wieder erfolgen bayernweite statistische Erhebungen über die Entwicklung der Judenschaft in Bayern. Im Jahr 1851 wird dazu aus Ellingen berichtet, dass nicht nur die ganze Familie Mandelbaum nach Ungarn abgewandert ist, sondern, dass in den letzten 30 Jahren insgesamt 6 ledige Personen nach Nordamerika ausgewandert seien.

Wir sehen die Auswirkungen des Edikts von 1813 gerade aufgrund der Matrikelparagrafen nicht so positv wie die Autoren zur Kreismatrikel, die die langfristigen Auswirkungen als Schritte in eine bis 1933 doch recht vollständige Freiheit mit gutem Recht verstehen. Wir stellen aus unserem Aktenbestand mehr die durch das Edikt geschaffenen Nöte dar, denen die jeweils einzelnen Betroffenen versuchten, zu begegnen.
Ein vergleichender Blick auf die Mechanismen und die Entwicklung des Ausländerrechts der Bundesrepublik Deutschlands kann dem interessierten Leser nur empfohlen werden. Die einen Regelungen und Motivierungen erleichtern oft das Verständnis der anderen.

Die Ellinger Matrikel ist inzwischen digitalisiert und kann gegen Entgelt bei uns auf Datenträger bezogen werden. Die Daten sind auch nicht in einem CMS organisiert.  Anfragen bitte per Mail.