German English

Gedruckt am 17.09.2019 um 00:59 Uhr
Link zu dieser Seite: http://juden-in-ellingen.de/index.php?pageID=22
_DRUCKEN

Die Judenmatrikel des Rezatkreises ab 1818  Davsternm.jpg
Jede Orts-Matrikel wurde im Gebiet des Rezatkreis, der ungefähr dem heutigen bayerischen Regierungsbezirk Mittelfranken mit mehrfachen Gebietsveränderungen entsprach, vor Ort verwaltet und in einem Zentralregister geführt. Die veröffentlichte Kreismatrikel wird auf der im Folgenden zitierten CD vollständig veröffentlicht. Sie enthält allerdings nicht alle Informationen der örtlichen Matrikelakten.

Auszug aus der Einleitung von Gerhard Rechter auf der CD der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns und der Gesellschaft für Familienforschung in Franken e.V., Archivstr. 17, 90408 Nürnberg(die CD ist dort erhältlich):

"Das 1813 erlassene "Edikt über die Verhältnisse der jüdischen Glaubensgenossen im Königreich Bayern" stellt einen wesentlichen Schritt auf dem beschwerlichen Weg der Emanzipation der vor allem seit 1806 mit den neubayerischen Gebieten zum Königreich Bayern gekommenen Israeliten dar. Die nach den §§ 2 und 3 dieser Verordnung erstellten "Juden-Matrikeln" bilden dabei die Schnittstelle zwischen den alten Beschneidungsnamen und den nunmehrigen festen Familiennamen. Sie sind damit eine zentrale Quelle für die durch die freiwillige oder erzwungene Auswanderung der Juden aus Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert heute weltweite genealogische Forschung. Darüber hinaus erfassen die Matrikeln nicht allein die jüdische Bevölkerung eines Kreises und späteren Regierungsbezirks, sondern geben mit den Nachweisen über deren "Nahrungserwerb" auch Auskunft über gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenhänge.
Das Edikt vom 10. Juni 1813 verlieh den Israeliten im gesamten Königreich Bayern Glaubensfreiheit und bewirkte durch Erteilung des Indigenats (Bürgerrechts) eine bedeutende Verbesserung ihrer Rechtsstellung. Nach § 1 des Edikts war das Bürgerrecht Voraussetzung für den Erwerb der im Edikt ausgesprochenen Rechte, § 2 regelte, dass in deren Genuss nur kommen konnte, wer in die bei den "Polizeibehörden" anzulegenden Judenmatrikeln eingetragen war. Diese Matrikel ("öffentliche Verzeichnisse", aus lateinisch "matricula", der Verkleinerungsform von "matrix" Stammrolle) wurden von den Landgerichten zunächst in Form von Listen erstellt und zu den Generalkommissariaten bzw. den Kreisregierungen eingeliefert. Eine Zusammenfassung dieser Listen zu einer Gesamt-Kreismatrikel ist jedoch nur für den Rezatkreis nachweisbar und überliefert; es ist die auf o.g. CD in digitalisierter Form edierte Judenmatrikel.
„Als Unterlagen mußten Schutzbriefe, Konzessionen und Aufenthaltsbewilligungen urschriftlich vorgelegt, feste Familiennamen angenommen und der Untertaneneid abgelegt werden (§§ 3-10). War für die Vorlage der geforderten Unterlagen durch die Juden eine Frist von drei Monaten nach der Bekanntmachung des Edikts gesetzt, die offenbar auch überall eingehalten wurde, so dauerte die Anlegung der Matrikel Jahre, ein Umstand, der nicht deutlich genug herausgestellt werden kann ...".
Die bei den Land- und Herrschaftsgerichten Mittelfrankens erstellten Listen wurden wohl noch 1819, wie die eingetragenen Änderungen zeigen sicher vor 1821, in bei der Regierung in Ansbach zu einer in fünf Bänden gebundenen Kreismatrikel zusammengefasst.
Mit Aufhebung des Matrikelparagraphen durch Gesetz vom 10. November 1861  hatten die Kreismatrikel ihre Bedeutung verloren, kamen in den Besitz des Historischen Vereins für Mittelfranken. Im Verzeichnis der Handschriften 1910 werden die Matrikelbände unter der Nummer 447 aufgeführt. 1938 wurden sie von der Regierungsbibliothek Ansbach, welche seit den 1860er Jahren die Archivalien- und Büchersammlung des Historischen Vereins verwahrte, zunächst leihweise an das Staatsarchiv Nürnberg abgegeben. Dort wollte man aber "die staatspolitisch hochwertigen Archivalien", die man zu Recht als entfremdetes staatliches Registraturgut erkannte, "wieder dem Staate zuführen", was durch Entschließung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom 6. September 1939 und entsprechender Weisung an die Regierung in Ansbach rechtskräftig erfolgte. So wurden die Bände im Staatsarchiv an die damals letzte Abgabe der Regierung von Mittelfranken von 1932 angegliedert."
 AKreismatrikelEllingen1.jpg

 
Das nebenstehende Matrikelblatt der Kreismatrikel des Rezatkreises hat eine doppelte Nummerierung. Die Spalte ganz links zählt den Haushaltsvorstände des ganzen Kreises. Ellingen beginnt mit der Nummer 2229. Nach dem Ortsnamen folgt die örtliche Nummer. Die Liste beginnt mit dem Barnossen (Barnos ist der Gemeindevorsteher) von Ellingen, Josef Friedmann. Dann folgt das Datum 30. Juni 1795, an dem Josef Friedmann einen Schutzbrief des Deutschen Ordens erhalten hat. Er handelt mit Wolle und Potasche, wobei letzteres im Großhandel geschah, was er später auch von München aus weiter tat.
Er hat dann Jahre später die Schutzstelle abgetreten, was ebenfalls nachgetragen worden ist.