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Attentat auf von Rath. Herschel Grynzspan verübte am 07. November 1938 ein Attentat auf den deutschen Legationssekretär von Rath, der ihn in der deutschen Botschaft in Paris empfangen hatte. Der 17-jährige erklärte nach seiner Verhaftung durch die französische Polizei, er wollte die Deportation seiner Eltern von Deutschland zurück nach Polen rächen, von der er kurz zuvor von seiner Schwester in einem Brief erfahren hatte. Er selbst wurde als polnischer Jude in Hannover geboren, erhielt aber weder in Frankreich - wo er bei seinem Onkel lebte - eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis, noch durfte er wieder zu seinen Eltern nach Deutschland zurückkehren. Diese Tat musste schließlich nach dem Tod vom Raths zwei Tage später als propagandistisches Motiv für die "Vergeltungsmaßnahme an den Juden" in der Reichspogromnacht herhalten.
Die Verhöre der französischen Polizei ergaben aber ein rein persönliches Motiv. Das Gerücht, beim Anschlag auf vom Rath habe es sich um eine Tat aus dem Homosexuellenmilieu gehandelt, wurde entweder von seinen Verteidigern oder von Grynzspan selbst in die Welt gesetzt, um dessen Kopf zu retten. Denn die Nationalsozialisten wollten in einem Schauprozess der Weltöffentlichkeit beweisen, dass Herschel Grynzspan als "Werkzeug des Weltjudentums" gehandelt hatte. Die Anklage sollte auf Hochverrat lauten. Durch die Verteidigungsstrategie den Anschlag in das Homosexuellenmilieu zu rücken, war es der nationalsozialistischen Propaganda nicht mehr möglich den Vorfall so auszuschlachten, wie es geplant gewesen war. Der Prozess fand nicht statt.
Grynspan blieb zunächst in französischer Haft, wurde aber 1940 von der Vichy-Regierung gesetzwidrig nach Deutschland ausgeliefert, wo er im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert wurde. Sein weiteres Schicksal verlor sich in den Wirren der letzten Kriegsmonate.
In Teilen zitiert aus: http://www.nrw2000.de/ns/grund_terrorakt.htm

       

Jüdisches Museum Berlin. Inszenierung zum Thema "Juden in Ellingen" in der Dauerausstellung. Es gibt eine Wand mit eingelassener Vitrine und hinterleuchteten Fotos:
"Darauf ist einerseits eine Karte zu sehen, mit all den kleinen und größeren Landgemeinden Süddeutschlands um 1800. Und andererseits Fotos aus Ellingen (hauptsächlich aus dem Bildarchiv Marburg) mit dem Landauerhaus und der Synagoge, mit der Weißenburger Straße und dem Haus am Pleinfelder Tor (wo das Schächthaus stand) und mit Abbildungen der Synagoge von außen und von innen. In der Vitrine zeigen wir den Dachbodenfund aus dem Haus Amson und ein Foto des Hauses.
Darüber hinaus gibt es noch ein Aktenarchiv, bei dem die Besucher in einem großen Karteikasten blättern können, in dem auf Karten Aktentitel gedruckt sind mitsamt Erklärung, was die Historiker aus diesen bruchstückhaften Informationen für Schlüsse zieht (Ausstellungstext: Wie lebten Juden in Ellingen? Wie war ihr Verhältnis zu den Christen? Solche Fragen beantworten historische Akten. Aber Vorsicht! Das scheinbar sachliche Bild, das die Akten zeigen, ist nicht objektiv. Denn sie dokumentieren nur Ausnahmen und die Streitigkeiten, die vor Gericht enden. Das alltägliche Miteinander wird selten "aktenkundig".). In den Akten selbst geht es um das Miteinander von Juden und Christen, um Schutzbriefanträge, den Bau der Synagoge, aber auch zum Beispiel um das Bettelwesen, das im 18. Jahrhundert ein so großes Problem war.
Insgesamt deckt die Inszenierung zweierlei Themenbereiche ab: einerseits geht es um die Arbeit der Historiker; wir wollen zeigen, wo und welche Spuren Geschichte hinterläßt und wie zB ein Museum an Informationen kommt (daher ist das Gebetbuchfragment, das auf dem Dachboden gefundene Überbleibsel der jüdischen Besitzgeschichte des Hauses, auch sehr anschaulich). Andererseits geht es um das Zusammenleben von Juden und Christen in den Landgemeinden des 18. Jahrhunderts, wie der Ausstellungstext zeigt:
Beispielhaft:
Die kleine Gemeinde Ellingen bei Nürnberg war eine typische jüdische Landgemeinde.
Es gab eine Synagoge, eine Schule und eine Schächterei für koscheres Fleisch - aber es gab nur einen Angestellten, der gleichzeitig Rabbiner, Lehrer und Schächter war. Denn die meisten jüdischen Bewohner des Ortes waren arm. Sie lebten vom Handel mit Vieh und Leder oder hausierten mit Textilien und Ellenwaren.
Juden und Christen lebten in Ellingen Seite an Seite. Allerdings galten für die jüdischen Bewohner besondere Bedingungen. Für eine Ansiedlung war ein Schutzbrief nötig, der teuer und nur mit großem Aufwand zu beschaffen war.
Die sehr gelungene Präsentation würde ich Ihnen gerne persönlich zeigen, denn durch Ihre Hilfsbereitschaft und Ihre vielen Informationen während und nach meiner Recherchereise nach Ellingen war die Neugestaltung überhaupt erst möglich."

       
Billett: Die Verpflegung heimatlos wandernder Juden wurde mit Hilfe sogenannter Billetten, Anteilsscheinen, die jeder Haushaltsvorstand nach Maßgabe seines Steueraufkommens zu Jahresanfang erwerben musste, organisiert.. Dieses System hatte eine alte Tradition eigentlich im religiösen Bereich, da es fromme Hausväter seit alters her für eine gute Tat hielten, durchziehende Talmudstudenten für einige Zeit zu verköstigen und mit ihnen in den heiligen Büchern zu lernen. Die religiöse motivierte gute Tat wurde jedoch durch die restriktive Judengesetzgebung in den deutschen Ländern pervertiert.Von einem gemeindlichen Beauftragten also, gemeinhin dem Vorsänger der Synagoge, der eben diesem Bettelstand entronnen war (als Brödling der Gemeinde durfte er zusätzlich aufgenommen werden, jedoch keinem Broterwerb nachgehen und lebte somit am Existenzminimum), wurden die Billetten dann an die durchziehenden Bedürftigen als Übernachtungsnachweis ausgehändigt.Noch aus der Zeit des Königreichs Bayern, als die bayerischen Juden seit kurzem mit allen bürgerlichen Freiheiten gesegnet waren, ist eine Liste der jüdischen Billettenzahler samt bezahlter Billette aus Roth erhalten. Mitte des 18. Jahrhunderts war die große Fluktuation vor allem auf Flüchtlinge vor Pogromen in Rußland zurückzuführen.(nach: Ralf Rossmeissl,Jüdische Heimat Roth, Roth 1996)
       
Judenschutz. Der sog. „Judenschutz“ leitete sich ursprünglich aus dem Leibeigentumsrecht des Deutschen Königs an allen im Reich lebenden Juden ab.
Es gab generell Freie oder edelfreie Menschen wie Adelige oder auch reichsunmittelbare Bauern oder die Bürger von Reichsstädten („Stadtluft macht frei!“) – wohl gemerkt: Nur als „Bürger“ der Stadt! Schutzverwandte dagegen waren Bewohner ohne Bürgerrecht, die durchaus noch leibeigener Untertan eines Landesherrn oder Grundbesitzers sein konnten, der sie auch verkaufen konnte. Ein Grundrecht auf „Freizügigkeit“ existierte damals nicht.
Vogelfrei war „fahrendes Volk“, Leute, die noch nicht einmal der König besitzen wollte. Herren- und rechtlose, also vogelfreie Personen, die man notfalls auch ungestraft erschlagen durfte. Diesen Status hatten anfangs sehr viele Juden des Mittelalters, die sich im Reich aufhielten als Folge der spanischen Reconquista.
Nach den Pogromen des 14. Jahrhunderts sorgten die Römischen Könige endlich wirksamer für die persönliche Sicherheit der Juden des Reiches. Dies hieß aber weitestgehend nur, dass sie nicht mehr vogelfrei waren und damit einen gesicherten Schutz auf das blanke Recht zu leben hatten – sofern sie diesen Schutzanspruch für sich persönlich oder für ihre Gemeinde durch eine Zahlung erworben hatten. Im Reich war kein Recht ohne Gegenleistung zu erhalten- auch nicht von Fürsten oder gar dem Kaiser selbst.
Die Gegenleistung der Juden war ein Schutzgeld, das die zahlenden Juden in einem „Schutzbrief“ quittiert erhielten, der in der Regel mehr Pflichten als Rechte bestätigt hat. Diese Einnahmequelle verpfändeten die Kaiser sehr bald an reichsunmittelbare Herren-zunächst an Fürsten, später auch an den regionalen Niederadel.
Der Umfang des „Judenschutzes“ war über den vorgenannten Kernschutz des Lebens und den Freiheitsbrief Karls V. von 1530 hinaus nicht näher definiert, so dass von vorn herein Unterschiede von Herren zu Herren und im Laufe der Entwicklung des Schutzrechts durch die Jahrhunderte bestanden haben oder entstanden sind. Mit dem Freiheitsbrief war jedenfalls nicht ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht eines Juden in einem bestimmten Territorium gewährleistet, so dass es jedem Stadt- oder Landesherrn freistand, abgelaufene Schutzbriefe nicht zu erneuern, die Person des Landes zu verweisen und die Immobilien einzuziehen.
       
Judensteuer
Götz Aly, Hitlers Volksstaat Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, Seite 60
Wie energisch die NS-Finanzexperten die Transformation des jüdi­schen Vermögens in Staatsanleihen verfolgten, zeigte sich, als den Ju­den nach dem Pogrom die »Sühneleistung«, auch »Judenbuße« ge­nannt, auferlegt wurde. Sie betrug eine Milliarde Reichsmark. Um diese Summe aufzubringen, waren die Diskriminierten gezwungen, Häuser, Aktien und eben auch Reichsanleihen zu verkaufen. Dagegen wandte der Vertreter der Reichsbank, Karl Blessing, auf der Sitzung vom 12. November 1938 ein, er befürchte, »dass die Juden in den nächsten Tagen ab Montag für Hunderttausende Reichsanleihen ver­kaufen, um sich die Mittel zu beschaffen«. Da aber der Kurs der Reichsanleihe laufend »im Hinblick darauf, dass wir weitere Reichs­anleihen begeben wollen«, gestützt werde, bedeute ein solch plötzli­cher Verkauf für den Reichsfinanzminister den Zwang, die Anleihen von Staats wegen zurückzukaufen. Folglich wurde den Juden ver­boten, deutsche Staatspapiere zu veräußern.
Neben möglichst langfristigen Krediten benötigte Göring 1938 für den Import dringend Devisen. Nur damit konnten die für die Aufrüs­tung notwendigen Rohstoffe und Lebensmittel gekauft werden, und zwar sowohl für den laufenden Bedarf als auch für die im Hinblick auf den Krieg anzulegende Reichsgetreidereserve. Deshalb forderte er am 25. Juli, also sechs Tage vor der Abgabefrist, die Vermögensdeklarationen der Juden »mit größter Beschleunigung« auf ausländische Wert­papiere durchzusehen. Den Besitzern war demnach mitzuteilen, dass sie die entsprechenden Effekten »binnen einer Woche« der Reichs­bank »anzubieten und auf deren Erfordern zu verkaufen« hätten.96 Auch dafür erhielten die jüdischen Zwangsverkäufer im Gegenzug Reichsschatzanweisungen. Wenige Tage später forderte der für wirt­schaftliche Fragen im ehemaligen Österreich zuständige Minister Fischböck einen leitenden Reichsbankbeamten an, der in der von Eich­mann errichteten »Judenauswanderungsstelle« die Devisenabteilung übernehmen sollte.
Die »Judenbuße« von einer Milliarde Reichsmark, die die Reichs­regierung am 12. November 1938 verhängte, erhöhte die laufenden Reichseinnahmen mit einem Schlag um gut sechs Prozent. Damit sollte das akute Kassendefizit überbrückt werden. Schwerin von Krosigk hatte im Jahr 1938 vor allem mit Haushaltssperren, mit dem Ver­bot öffentlicher Neubauten und mit dem Kürzen schon bewilligter Etatansätze regiert, um die Staatsfinanzen nicht völlig außer Kontrolle geraten zu lassen. Die Adressaten seiner geheimen Sparbeschlüsse ver­tröstete er mit einem Göring-Wort: »Die Lösung der verbleibenden Aufgaben wird später umso sicherer gelingen, je rascher und vollkom­mener jetzt erst einmal die Arbeiten durchgeführt werden, die den Be­stand der Nation gegen alle Eventualitäten gewährleisten sollen.«
Im Jahresbericht für 1938, den Walther Bayrhoffer, der Vertreter des Reichsfinanzministeriums im Reichsbankdirektorium, formulier­te, stellte sich die öffentliche Finanzlage bezeichnenderweise aus­gerechnet Mitte November 1938 als »katastrophal« dar: "Es bestand kassenmäßig ein Defizit von etwa RM 2 Milliarden; die Möglichkeit, dass das Reich zahlungsunfähig wurde, stand unmittelbar bevor."
Das war der Moment, in dem die »Judenbuße« verhängt wurde. Des­wegen verlangte die Reichsregierung von den Banken, die sich um den »sachgerechten« Verkauf der Aktien aus dem Besitz von Juden bemüh­ten, kategorisch einen Überbrückungskredit. Und deswegen wies der Judenreferent im Reichswirtschaftsministerium, Alf Krüger, in seiner Gesamtrechnung über die angemeldeten jüdischen Vermögen den li­quiden Bestandteil besonders aus. Er verstand darunter alle Werte, die nicht als Hausbesitz oder Betriebsvermögen gebunden waren: ins­gesamt 4,8 Milliarden Reichsmark." Auf sie konnte umstandslos zuge­griffen werden. Am 18. November 1938 notierte sich der Vertreter des Auswärtigen Amts aus einer intern gehaltenen Göring-Rede diese Stichwörter: »Sehr kritische Lage der Reichsfinanzen. Abhilfe zu­nächst durch die der Judenschaft auferlegte Milliarde und durch die Reichsgewinne bei Arisierung jüdischer Unternehmungen.«
Mit seiner Durchführungsverordnung vom 21. November 1938 ge­staltete der Reichsfinanzminister die »Sühneleistung« zu einer Ver­mögensabgabe von 20 Prozent aus. Betroffen waren alle Juden, die eine Vermögenserklärung hatten abgeben müssen, also mehr als 5.000 Reichsmark besaßen. Sie mussten die fällige Geldsumme in vier Teil­beträgen an das zuständige Finanzamt entrichten, und zwar »ohne be­sondere Aufforderung« am 15. Dezember 1938, am 15. Februar, 15. Mai und 15. August 1939. Auf diese Weise trieb der Fiskus gut 1,1 Milliarden Reichsmark ein und verbuchte sie als »Sonstige Einnah­men« im Haushalt. Die regulären Reichseinnahmen beliefen sich im Haushaltsjahr 1938/39 auf etwa 17 Milliarden Reichsmark. Hinzu ge­rechnet werden müssen die Einnahmen aus der Reichsfluchtsteuer und sonstige Erlöse aus der Diskriminierung der Juden im Haushalts­jahr 1938/39, die - zurückhaltend kalkuliert - mindestens 500 Millio­nen Reichsmark ausmachten. Insgesamt stammten also mindestens neun Prozent der laufenden Reichseinnahmen im letzten Vorkriegshaushalt aus Arisierungserlösen. Dazu kam der nicht verbuchte Zwangsumtausch der Devisen und eines Teils des Aktienbesitzes der Juden in Staatspapiere. (Schon die Reichsfluchtsteuer brachte zwi­schen 1933 und 1945 knapp eine Milliarde, davon im Haushaltsjahr 1938/39, dem wegein des Terrors ertragreichsten Zeitabschnitt, 342 621000,00 Reichsmark.)
Wenn man sich einen Moment lang vorstellt, irgendein Finanzminis­ter, Stadtkämmerer oder Parteischatzmeister in Deutschland oder irgendwo sonst auf der Welt könnte heute über plötzliche Mehreinnah­men von neun Prozent verfügen, ohne die eigenen Leute zu belasten, dann offenbart sich sofort, wie entspannend die »Judenbuße« und die darüber hinausgehenden Enteignungen der Juden damals für die Haushälter des Reiches gewirkt haben müssen. Die Deutsche Steuer-Zeitung merkte an: »Das Aufkommen aus der Judenvermögensabgabe fließt ausschließlich dem Reiche zu, das es für seine allgemeinen Auf­gaben und damit zum Wohl des gesamten Deutschen Volkes verwen­den wird.« Der SD notierte in möglicherweise übertriebener Verall­gemeinerung: Anders als das Pogrom selbst hätten die »Sühnegesetze in der Bevölkerung überall Anklang gefunden«.
Schwerin von Krosigk verbreitete nach dem Krieg in seinen Me­moiren: »Ich deckte die Auferlegung der Buße auch mit meinem Na­men. Doch bei mir war damit die Grenze erreicht.«  Wie wenig das der Wirklichkeit entsprach, zeigt schon die Zweite Durchführungsver­ordnung über die Sühneleistung der Juden, die bald nach Kriegs­beginn bestimmte: »Die Judenvermögensabgabe wird zur Erreichung des Betrags von einer Milliarde Reichsmark von 20 von Hundert auf 25 von Hundert des Vermögens erhöht.« Das Dokument trägt die Un­terschrift Schwerin von Krosigk.
Die Zusatzabgabe war binnen vier Wochen fällig und führte dazu, dass die Reichskasse insgesamt
1.126.612.495,00 Reichsmark aus der »Judenbuße« vereinnahmte, nach anderen Quellen etwas mehr, näm­lich rund 1,2 Milliarden.
       
Schmuser: Der Begriff ist jüdisch. Die Person kann Christ oder Jude sein. Der typische jüdische Schmuser ist Pferde-, Waren-, oder Immobilienmakler. Meist hat er einen allgemeinen Hausierhandel, ist damit in seiner Region bestens informiert und vermittelt so gegen Entgelt Geschäfte. Der christliche Schmuser arbeitet in der Regel für jüdische Viehhändler an Markttagen, die schon aus Wettbewerbsgründen an den Sabbaten stattfanden, an den der Geschäftsherr ja eigentlich keine Geschäfte machen durfte und ist direkter Erfüllungsgehilfe. Die berühmt berüchtigte Handelssprache zwischen beiden hieß auch im hiesigen Rezat-Wörnitzbereich “Lachoudisch”, eine Mischung aus Deutsch/Jiddisch und Hebräisch. Dies klingt an sich widersprüchlich, da Jiddisch bereits eine solche Mischung ist.  Der Gebrauch dieser “Geheimsprache” zwischen Schmuser uns Händler sollte angeblich dazu dienen, naive Bauern als Endkunden über den Tisch zu ziehen und zu übervorteilen. Es war sicherlich so, dass dieser Sprachgebrauch den vertraulichen Umgang zwischen Schmuser und Händler erleichterte. Ein Händler, der mehr als ein eimaliges Geschäft machen wollte, war aber natürlich schon deshalb seriös.




Stolgebühr:Zu zahlen von jedem, egal welchen Glaubens, an den Pfarrer der christlichen Kirche, in dessen Sprengel man heiratete, auch wenn der Pfarrer die Hochzeit nicht zelebrierte. In evangelischen Reichsstädten traf das Katholiken genauso, wie evangelische Christen oder Juden in Ellingen. Das hatte nichts mit Diskriminierung, sondern mit dem damaligen ganz allgemeinen Finanzierungsmodell zu tun. Wer als Herrschaft eine Pfarrkirche haben wollte, hatte den Bauerhalt und den Unterhalt des Pfarrers sicherzustellen bis hin zur Brennholzversorgung seiner Wohnung. Der Kirche wurden daher genau definierte Erträge bestimmter Einrichtungen, vor allen bestimmter Häuser oder landwirtschftlicher Flächen zugewiesen. Das System wäre ab dem Beginn der Reformation zusammengebrochen, wenn die Abgabe von der Konfession des Bewohners des schuldenden Anwesens abhängig gewesen wäre.




Schutzverwandter: Dieser Begriff trifft zwar oft, aber nicht nur jüdische Einwohner ohne Bürgerrecht einer Stadt. Es ist teils bis 1918 der Einwohner einer Gemeinde mit minderem Bürgerrecht. Klassisch ist der verbriefte Schutz ohne Bürgerrecht. Es ist die klassische “Aufenthaltserlaubnis” (Terminus im derzeit gültigen Ausländerrecht) für die Einzelperson selbst, nicht aber auch für die Ehefrau im Fall der Scheidung oder für die Kinder. In der christlichen Bevölkerung betrifft es zum Beispiel Dienstboten von Stadtbürgern oder frisch zugezogenen Leibeigenen von Landesherren innerhalb der Jahresfrist, in der sie aus Städten zurückgefordert werden konnten (das berühmte “Jahr und Tag”). Auch Gesellen, die ohneals Meister eine Zunftzulassung anzustreben, eine Meisterwittwe heirateten, fuhren mit diesem Status gut. Eine erste Legaldefinition findet sich 1794 im Allgemeinen LAndrecht für die Preußischen Staaten, §§1-6. §5: Einwohner der Städte, welche weder eigentliche Bürger, noch Eximierte sind, heißen Schutzverwandte.