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Namensverzeichnisse Ellinger Juden durch vier Jahrhunderte  Davsternm.jpg
       

Wir bemühen uns, Dokumente unterschiedlichen Alters und Qualitäten auszuwerten, soweit sie uns frei oder zu mit angemessenem Aufwand zur Verfüfung stehen.
Die älteste zuverlässige Quelle ist die Reichssteuer des Gemeinen Pfennigs von 1495. Sie ist eine Kopfsteuer zur Finanzierung des Türkenkrieges. die Listen sind vollständig und enthalten keinen Hinweis auf einen jüdischen Bewohner. Die nächsten Faktoren sind eher unsicher und indirekt. Die evangelisch gewordene Reichsstadt Weißenburg hatte 1520 ihre Juden vertrieben. Diese mussten irgendwo untergekommen sein.
Es gibt Dokumente des Deutschen Ordens aus der Ballei Franken aus dem Jahr 1536, wie die Schadensersatzansprüche der durch Pogrome geschädigten Juden im Ordensgebiet zu verhandeln seien. 1540 setzt der Administrator des Hochmeistertums Walter von Cronberg durch einen Erlass gegenüber seinen Untertanen das Edikt des Reichstages von 1530 in territoriales Recht um. Die Ellinger Chronisten des 19. Jahrhunderts teilen das Vorliegen des Erlasses in Ellingen für das Jahr 1542 mit.
Ab 1536 sind jüdisch klingende Namen im Salbuch des Deutschen Ordens und in den Steuerbüchern für Ellingen nachlesbar. Doch wirklich sicher wird die Zuordnung erst nach 1590. Das Salbuch beschreibt aber auch nur die Lehensimmobilien des Deutschen Ordens. Echtes Eigentum von Hausbesitzern wird dort nicht aufgezeichnet. Ein jüdischer Lehensnehmer des Ordens ist für das frühe 16. Jahrhundert auch kaum vorstellbar.
Die Hexenverbrennungen von rund 100 Frauen allein im Jahr 1590 in Ellingen hatte zu einem extremen Leerstand an Lehensimmobilien geführt. Eine Druckschrift von 1590 beklagt, dass nur noch 5 "christliche" Haushalte in Ellingen bestehen würden. Das Salbuch weist direkt danach ertsmals klar erkennbar vier Juden als Lehensnehmer aus. am 17.März 1594 beschwert sich der Ellinger Komtur, dass die Reichsstadt Weißenburg das Juden-EhepaarSamson, das in seinem Auftrag einkaufen sollte, einen erheblichen Zoll zahlen sollte. Es folgt nach dem 30jährigen Krieg die Feststellung, dass vier bestimmte Juden nicht zur Huldigung erschienen waren. Die Leipziger Messbücher weisen ab 1694 Besucher aus Ellingen nach. Die Familie Amson kaufte im Jahr 1684 das repräsante Anwesen des Römischen Kaisers und begründete bald darauf eine hoch dotierte Familienstiftung.

Ab etwa 1750 wird die Urkundenlage transparenter. Doch immer noch erschweren das Fehlen von Familiennamen, ein Mix aus Stammesnahmen und Familiennamen das Zusammenstellen von Familien. Wahrscheinlich kabbalistische Vorstellungen davon, auf welchen Namen seiner Vorfahren ein Kind getauft werden sollte, damit der Tod an ihm vorbeiginge, erschweren ebenfalls eine Feststellung familiärer Beziehungen - was ja auch zumindest gegenüber dem Tod so gewollt war.

Besser wird die Lage erst ab etwa 1800, da preußische und bayerische Bestimmungen zur Führung eines Familiennamens die Verwandschaftsverhältnisse auch für einen Nicht-Kabbalisten transparenter machen. Doch immer noch wird kein staatliches Standesamtsregister oder Grundbuch geführt, was eine wirklich vollständige Benennung von jüdischen Bewohnern Ellingen ermöglichen würde. Die Ellinger Juden haben sicherlich Bücher ähnlich zu den christlichen Kirchenbüchern geführt. Doch diese haben wir nicht. Notarielle Urkunden sind uns aus Datenschutzgründen nur begrenzt zugänglich. Frauen und Mädchen wurden in den staatlichen Registern so gut wie nie erwähnt. Einheimische Familien tauchen auch nicht in den Melderegistern bei Zuzügen nach Ellingen auf. Wer nicht heiratete wurde ebenfalls nicht registeriert. Hilfreich sind Grundsteuerlisten, Sozialverischerungslisten und Rekrutierungslisten. Aber auch diese sind nicht vollständig, da wieder keine Frauen verzeichnet sind.
Wir haben dann noch private Briefe, Unterschriftslisten von amtlichen Bekanntgaben und ähnliche Quellen ausgewertet, bis schließlich um das Jahr 1900 die Standesamtsregister fast für Vollständigkeit sorgten.
Wir haben versucht, die ab dem Jahr 1800 in Ellingen lebend vorhandenen, also auch schon früher geborerenen jüdischen Bewohner bis 1938 auf dieser Datenbasis vollständig zu erfassen. Wir können uns aber auf Grund der Aktenlage nicht sicher sein, ob uns dies vollständig gelungen ist. Ergänzugen und Irrtümer behalten wir uns vor.