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Die Zeit bis 1945  Davsternm.jpg

Das Leben der Juden in Ellingen fand bis 1930 in weitestgehender sozialer Integration statt. Akvitäten in der örtlichen Feuerwehr, im Schützenverein, im Gesangverein Harmonie oder im Turnverein waren selbstverständlich, ebenso Sitze im Stadtrat
.
Noch 1930 waren im Alltag und im Geschäftsleben keine Beeinträchtigungen zu bemerken. Christliche Feste zum Anlaß für großformatige Zeitungswerbung zu nehmen, war für das Textilhaus Schönwalter seit Jahrzehnten üblich. wie die jährliche Anzeigen zum Skapulierfest im Ellinger Anzeiger zeigen. Auch erschien dort jährlich im September eine Anzeige der Kultusgemeinde, mit der sie ihren Mitgliedern die Daten der jüdischen Feste nach dem christlichen Kalender mitteilte.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Juden in Ellingen wird aus heutiger Sicht für diese Zeit deutlich überbewertet. Allein die sehr günstige Lage vieler ihrer Häuser entlang der Ellinger HAuptstraßen ist auffällig, wenn auch historisch bedingt, weil sie lange im Familienbesitz standen.

Im Stadtarchiv Ellingen befindet sich die Sozialversicherungsliste von Ellingen aus dem Jahr 1930. Sie enthält zunächst alle Personen und Unternehmer, die sozialversichertes Personal beschäftigten- angefangen von der Haushälterin des kath. Stadtpfarrers über die Angestellten des Notars, der Stadt Ellingen selbst (61 Mitarbeiter) und des Bezirkskrankenhauses(21 Mitarbeiter).
Von den so definierten 96 Arbeitgebern in Ellingen waren nur 6 Juden. Die Sozialstruktur war damals völlig anders als heute. Hatte der Bauer Koller damals 14 Knechte und Mägde, so hatte der Bauunternehmer Konrad Schmidt 41 Mitarbeiter.

Dazu kommen die Personaldaten aller Mitarbeiter von der Qualifikation über das Geburtsdatum bis zum monatlichen Einkommen. Vor diesem Hintergrund ist die Gesamt-Zahl der 51 sozialversicherten Mitarbeiter der Ellinger Juden eher bescheiden und daneben ist außer einer Person keiner ein Jude:

Geamtzahl der Arbeitnehmer in Beschäftigungsverhältnissen:                  1.148
Arbeitslose “Weiterversicherte”:                                                                   202

Bermann & Oppenheimer, Viehhandel           32,                      davon kein Jude
Eisen Lazarus, Kaufmann                                3,                      davon kein Jude
Löwenstein Heinrich, Viehhändlier                  5,                      davon kein Jude
Richard, Moritz, Kaufmann                               1,                      nichtjüdische Dienstmagd
Schönwalter, Textilhändler                              8,                      davon kein Jude
Weiß Justin, Pferdehändler                              2                      1 Mitarbeiterin, Tochter, ist “Dienstmagd”

Gleich nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler begannen die Nazi in Ellingen den Juden das Leben schwer zu machen, die sich noch am Jahresabfang aktiv an der politischen Auseinandersetzung mit den Nazis beteiligten und klar gegen sie Stellung bezogen. Das ist den Hetz- und Haßartikeln über die Juden in Ellingen im NSDAP-Blatt "Der Stürmer" ab dem Februar 1933 zu entnehmen, die schließlich bis in den November 1938 hinein jeden einzelnen Wegzug eines Ellinger Juden mit Pressenotizen feierten. Schreibstil und bösartige Kompetenz des Verfassers lassen diese Artikel durchgängig dem Ellinger Schulleiter, Ortsgruppenleiter und stellvertretenden Bürgermeister Engelhard zuordnen, der noch Ende April 1945 dafür sorgte, dass zwischen Ellingen und Weißenburg noch ein angeblicher Desserteur fast in Schussweite der heranrückenden Amerikaner gehängt worden ist.
Mehr als ein Ellinger hat bereits in den ersten Jahren aufgrund seiner Aktivitäten Dachau für einige Zeit kennen gelernt, ohne es je zu wagen, öffentlich zu berichten, was er dort erlebt hatte.

Eines seiner Schreiben, das die Art belegt, wie die NSDAP den Druck aufbaute, dem die damals noch anderkannte Kulturnation Deutschland nicht standhielt und unterging, ist hier als "Schreiben des OGRU" wiedergegeben.